Sozialpolitischer Dokumentarfilm und die Konstitution von OEffentlichkeit
Neue Potenziale durch den Medien- und Strukturwandel?
(Author) Laura-Johanne ZimmermannKommunikation ist die Basis, die unsere Gesellschaft zusammenh„lt und Medien bestimmen den Modus gesellschaftlicher Kommunikation weitgehend mit. Um eine erfolgreiche Kommunikation und somit den Zusammenhalt der Gesellschaft gew„hrleisten zu k”nnen, mssen Medien bestimmte Funktionen erfllen. Hierzu z„hlt auch die politische Funktion, die neben u.a. der Kritik- und Kontrollaufgabe vor allem die wichtige Aufgabe der Herstellung von ,™ffentlichkeit? bedeutet. Demzufolge sollen Medien durch die ausgewogene und alle Interessen vertretende Darbietung von Information sowie die Gew„hrleistung von Orientierung ™ffentlichkeit, also eine interaktive Plattform des Austauschs, gew„hrleisten und so der Gesellschaft die Partizipation an demokratischen Diskursen erm”glichen. Da ™ffentlichkeit berdies stets an die Mittel ihrer Herstellung gebunden ist, findet durch die zunehmende Etablierung neuer Medientechnologien zurzeit nicht nur ein Wandel innerhalb der Medien-, sondern auch innerhalb der ™ffentlichkeitsstrukturen statt, der die Bedingungen einer Partizipation maágeblich ver„ndert. So etablieren sich zunehmend neue mediale Formen, die im Sinne privater Vermittlungsinstanzen ein Pendant zu den bestehenden, vorwiegend hierarchisch gepr„gten Medienstrukturen begrnden - wie beispielsweise das Internet. Der mit dieser Entwicklung einhergehende, zunehmende Wegfall von Produktions- und Distributionsbarrieren er”ffnet somit vermehrt auch jenen die M”glichkeit der Produktion und ™ffentlichmachung partikularer Interessen, denen dies bisher verwehrt blieb. Dies hat aber zur Folge, dass sich neue mediale Formen zunehmend von ,professionellen? Qualit„tsansprchen, wie beispielsweise der neutralen Beobachtung oder der kontextualisierten Aufarbeitung von Informationen, distanzieren und stattdessen die Vertretung subjektiver Interessen sowie explizit definierter Standpunkte in den Vordergrund rckt. Zunehmend werden soziale und politische Interessen anwaltschaftlich und im Sinne eines zunehmend auch aktivischen Verst„ndnis von Teilhabe ”ffentlich vertreten. Der Aspekt, dass Bewegtbilder einen maágeblich erweiterten Rezipientenkreis erreichen k”nnen, da sie keine Lese- und Schreibf„higkeit voraussetzen sowie das Attribut der Authentizit„t, machen den Dokumentarfilm vor dem Hintergrund dieser šberlegungen zu einer besonders wirkungsvollen Instanz der Interessensvertretung. Ziel dieser Arbeit ist es, auf Grundlage vielf„ltiger theoretischer šberlegungen sowie unter Rckbezug auf diverse Beispiele aus der Realit„t zu untersuchen, welchen Einfluss der Medien- und Strukturwandel auf den sozialpolitischen Dokumentarfilm hat und ob und inwiefern dieser zunehmend im Sinne eines Instruments (bzw. Instanz) der Konstitution von ™ffentlichkeit zu begreifen ist, das nicht nur Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels ist, sondern ferner hierzu beitragen kann.